02.01.2026
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Manfred Gstettner zum Neunzigsten: Der Vater des Grenzauer Tischtenniswunders.

1952, in Helsinki finden die Olympischen Spiele statt, gründet der 16-jährige Manfred Gstettner den Verein TTC Grenzau. Im Stadtteil von Höhr-Grenzhausen, tief unten im Brexbachtal , entsteht was später als Tischtenniswunder weit über das Bundesland Rheinland-Pfalz hinaus gerühmt  wird. Das Wunder dauert bis heute. Am 3.Januar 2026  wird Manfred Gstettner 9o Jahre alt. Vorsitzender im TTC ist er nicht mehr. Das machte heute sein Sohn Olaf.

So erfolgreich wie im Sport war er auch im Beruf. 1964 errichtet er auf dem  Gelände, wo einst das Sägewerk des Vaters stand, das Hotel Grenzau. 6 Fremdenzimmer hat es , die Tanzbar „Zugbrücke“ und eine Kegelbahn. Das Haus wächst von Saison zu Saison. Mitte der 1970er Jahre kommen die Bierstube, drei Kegelbahnen und die Tischtennishalle dazu. 1978 entsteht eine moderne Hotelanlage mit komfortablen Zimmern, einem Schwimmbad und einer Sauna. Das Tagungszentrum und das Restaurant folgen. 1994 kommt Sohn Olaf in die Geschäftsführung,  einige Jahre danach übernimmt er das Haus, das längst auch einen modernen Wellnessbereich hat.

1982 steigt der TTC Grenzau in die 1.Bundesliga auf. Und bleibt es bis heute. Sechsmal wird der Verein deutscher Meister. Bei allen Meisterschaften ist der Pole Andrzej Grubba dabei. Viermal als Spieler und zweimal als Trainer. Trotz aller Stars wie Ma Wenge, Wang Tao oder Chen Zhibin aus China, die Deutschen Steffen Fetzner, Georg Böhm oder der extrovertierte Engelbert Hüging, der Tscheche Peter Korbel oder dem zweiten Polen Lucjan Blaszyczyk, Grubba hat den sportlichen Erfolg Grenzaus am intensivsten geprägt. Viel zu früh, mit 47 Jahren, stirbt am 21.Juli 2o05 der Lieblingsspieler von Manfred Gstettner. Die Reise zur Beisetzung nach Danzig ist Gstettners schmerzvollste. Bis heute hat er Kontakt zu Familie Grubba.

Viermal gewinnt der Verein den Deutschen Pokal, einmal wird er Europapokalsieger und einmal gewinnen die Grenzauer die Champions League. Nach Düsseldorf wird der Verein der erfolgreichste der zurückliegenden Jahrzehnte. Landesleistungszentrum und Olympiastützunkt entstehen in Grenzau. Die Etiketten ändern nichts an der Wahrheit im Brexbachtal: es ist der jährliche Kampf ums finanzielle Überleben und es ist Manfred Gstettner, der immer wieder  Wege findet oder die Löcher selbst stopft. Tischtennis ist die wichtigste Nebensache seines Lebens . Seine Frau Ulrike steht an seiner Seite, ohne sie wäre vieles nicht möglich geworden . Und der zweite Sohn Carsten ist ein Fan der besonderen Art.

Der Verein war Manfred Gstettner. Das war fast 65 Jahre die Grundlage des Erfolgs. Seine Liebe zu diesem Sport, seine Bereitschaft, Kraft und auch Geld zu investieren, sind immer die Basis gewesen. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass dieser Verein einmal von einem anderen geführt werden würde. Aber Sohn Olaf ist ein würdiger Nachfolger geworden. Bei Vater Manfred  hätte nur noch gefehlt, dass er auch selbst gespielt hätte. Alles andere hat er gemacht. Das sein Bild die Jahrzehnte unbeschädigt überstanden hat, dass seine Glaubwürdigkeit nie gelitten hat, das ist sein eigentlicher Wert in einer Welt des Sportes, in der so viele Spitzenleute  Blessuren erlitten haben, weil sie mehr an sich selbst als an die Sache gedacht haben. Manfred Gstettner lebte nur für die Sache. Und die heißt Tischtennis und TTC Grenzau. Keiner im Lande war so lange so erfolgreich.

 Und so leise, so wenig spekulierend auf öffentliche Wahrnehmung .Es bestand bei ihm nie die Gefahr, dass er sein Lebenswerk einmal durch unbedachtes Handeln beschädigen würde.

Manfred Gstettner ist in Beruf und Ehrenamt in nun 9o Jahren ein Beweis dafür, dass außergewöhnliche Menschen mitten unter uns Großes leisten können, ohne dass sie dafür täglich in den Medien erscheinen. Manfred Gstettner ist einer der wichtigsten Funktionäre in der Nachkriegsgeschichte des rheinland-pfälzischen Sportes.

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