Die Tischtennis-Bundesliga startet mit den gleichen zwölf Vereinen wie im Vorjahr in die Saison 2026/27 – sportlich bleibt dennoch kaum etwas beim Alten. Zahl- reiche Transfers haben die Kräfteverhältnisse neu sortiert: Fan Zhendong wechselte nach Düsseldorf, Saarbrücken reagiert unter anderem mit Hugo Calderano und Alvaro Robles. Auch Teams aus dem Mittelfeld und dem unteren Tabellen- drittel haben ihre Kader gezielt verstärkt. Die ohnehin hohe Leistungsdichte dürfte damit weiter zunehmen. Die vergangene Saison beendete Grenzau nach einem nervenaufreibenden Kampf um den Klassenverbleib mit 16 Punkten auf Rang zehn. Auch wenn sich diese 16 geholten Punkte gerecht auf Vor- und Rückrunde aufteilten – in beiden holte der TTC jeweils acht –, so war es doch vor allem letztere, die den Vereins- verantwortlichen nachhaltig in Erinnerung blieb. „In der Rückrunde haben wir mit Mühlhausen, Dortmund, Bad Homburg und Fulda vier Spiele in Serie gewonnen. Ich weiß nicht, wann das hier zuletzt gelungen ist“, so Markus Ströher, 2. Vorsitzender und Manager des Vereins. Gleichzeitig legte Ströher, der seit nunmehr sechs Jahren gemeinsam mit Olaf Gstettner, dem 1. Vorsitzenden, an der Spitze des Klubs steht, den Finger in die Wunde: „Wir müssen uns schon fragen, warum wir es nicht geschafft haben, diese Leistung konstanter über die gesamte Spielzeit an den Tag zu legen. Dass die Jungs dieses Niveau auch über längere Phasen spielen können, ist unbestritten.“ „Phasen“ – eine treffendere Beschreibung für die vergangene Saison des TTC gibt es wohl kaum. Da war zunächst der Auftaktsieg über Bad Königshofen zu Saisonbeginn – trotz Abwesenheit von Spitzenspieler Feng –, der eine kleine Euphoriewelle auslöste. Was danach jedoch folgte, waren bittere und bange Monate: Ein Sieg aus den nächsten acht Spielen, der letzte Platz in der Tabelle und dazu die aufkommenden Gerüchte aus der 2. Bundesliga, der TSV Windsbach bereite sich auf einen möglichen Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse vor. „Das war schon sehr belastend. Man hatte zeitweise das Gefühl, die Jungs hätten beinahe Angst vorm Gewinnen“, so Olaf Gstettner über die schwierigen drei Monate im Herbst 2025. In der Adventszeit folgte dann aber der langersehnte Befreiungsschlag: Zwei Siege gegen Grünwettersbach und Fulda ließen Grenzau vorübergehend die „rote Laterne“ abgeben und sorgten für einen versöhnlichen Jahresabschluss im Brexbachtal. Besonders lange währte die Freude über die sportlichen Höhepunkte in der Weihnachtszeit jedoch nicht. Zu schwach war dafür das, was nach den ersten fünf Spielen der Rückrunde zu Buche stand: kein einziger Sieg, und eine Niederlage im direkten Duell gegen den bis dato Tabellenletzten Bad Königshofen ließ die Sorgen um den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte immer größer werden. „Im Sport gibt es manchmal so Phasen, da hast du das Gefühl, du kannst gar nicht gewinnen, egal was du machst – umgekehrt gibt es aber auch solche, in denen du morgens aufstehst und nicht daran zweifelst, dass du heute gewinnen wirst“, so Anton Stefko, seit zehn Jahren Grenzaus Co-Trainer. Und genau in diesem Moment, dem wohl schwierigsten der abgelaufenen Spielzeit, ließ die Mannschaft eine solche Hochphase folgen – mit den schon angesprochenen vier Starker Schlussspurt nach anfänglichen Problemen Neue Qualität für nötige Flexibilität Siegen in Folge, die sämtliche Abstiegssorgen beseitigten. „Das war natürlich Wahnsinn. Die Jungs haben dem Druck von außen, der mit jeder Niederlage größer wurde, standgehalten und ihr bestes Tischtennis gezeigt – Chapeau“, resümierte Markus Ströher. Für die neue Spielzeit hat der TTC mit Liam Pitchford zusätzliche Qualität verpflichtet, während der Kern der Mannschaft um Feng Yi-Hsin, Maciej Kubik und Sam Walker zusammenbleibt. Komplettiert wird das Team vom letztjährigen Neuzugang Martin Allegro. „Die Liga wird noch ausgeglichener und gleichzeitig in der Spitze stärker“, sagt Olaf Gstettner. „Für einen Verein wie Grenzau bedeutet das, dass wir an jedem Spieltag an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Unser klares Ziel ist und bleibt der Klassenverbleib. Alles, was darüber hinaus möglich wird, nehmen wir gerne als Zugabe.“ Auch Markus Ströher erwartet eine Saison, in der Kleinigkeiten entscheiden werden: „Wir haben unseren Kader breiter und qualitativ stärker aufgestellt. Entscheidend wird sein, gesund zu bleiben, als Mannschaft schnell zusammenzufinden und die engen Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Wir wissen, wo wir herkommen – verstecken müssen wir uns dennoch vor niemandem.“ Sogar noch etwas offensiver betrachtet es Sam Walker, der nun in seine fünfte Saison für Grenzau geht: „Natür-lich ist die Liga voller Qualität, und wir kämpfen in erster Linie um den Klassenerhalt. Aber wenn alles so zusammenläuft, wie wir uns das vorstellen, können wir auch um die Playoffs mitspielen. Alles ist möglich, und wir haben dafür die nötige Klasse im Team“, so der Engländer im Rahmen der Pressekonferenz zur Saisoneröffnung.
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